Tierversuche

Am 24.04. war, wie jedes Jahr, Welttag des Versuchstieres. Weltweit werden jährlich mindestens 100 Millionen Wirbeltiere (Ratten, Mäuse, Meerschweine, Katzen, Hunde, Primaten, Kühe und viele andere) für Tierversuche misshandelt und getötet – manche sterben auch während des Experiments. Dass ein Tierversuch Schmerzen, Leiden und Schäden für das Versuchstier bedeutet, beschreibt schon die Definition im Tierschutzgesetz § 7.

Hierfür werden Tierversuche in Deutschland durchgeführt (nach Relevanz):

  • Grundlagenforschung (zur Erweiterung des medizinischen Grundwissens. Wie viel Wissen hier tatsächlich erweitert wird, bleibt dahingestellt.)
  • Tötung zur Entnahme von Zellen und Organen
  • Arzneimitteltests
  • Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten
  • Giftigkeitsprüfungen

Wenn man sich eine Weile mit Tierversuchen auseinander gesetzt hat, bekommt man das Gefühl, dass jeder drittklassige Mediziner die Erlaubnis bekommt, Tiere zu quälen. Tierschützer haben in den Ethikkommissionen nur ein Drittel der Stimmen. Befristungen werden oft ohne den Nachweis von bedeutenden Gründen verlängert. Zudem werden teilweise Tiere genutzt, für die keine Genehmigung vorliegt.

Erst vor kurzem las ich einen Artikel, in dem es um „gravierende Verstöße gegen Tierschutzvorschriften“ in einer der größten deutschen Tierversuchsanlagen (Berliner Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin) ging. Die Tiere wurden sogar teilweise „vergessen“ und mussten verhungern. Immer wieder las ich davon, dass Kontrolleure nur selten solche Missstände protokollieren. Sie bekommen keine Rückendeckung durch ihre Vorgesetzten und haben Angst vor Schwierigkeiten. Es ist ähnlich wie in der Massentierhaltung und bei Schlachthöfen, ein aktuelles Beispiel ist der Wiesenhof-Skandal. Selten sind es Mitarbeiter der Versuchsstätten, die von den Methoden sprechen, da ihre Verträge sie zum Schweigen verpflichten. Größtenteils verlaufen die Versuche jedoch ohne Einsicht von außen. Tierschützer haben übrigens auch hier keine Klagerechte. „Grundlagenforschung“ ist ein Begriff, den man weit dehnen kann. Die Versuche müssen keinen unmittelbaren Nutzen für die Menschheit haben, sie müssen lediglich möglicherweise (vielleicht auch nicht) irgendwelche Erkenntnisse bringen, die vielleicht für den Menschen interessant sein könnten. Wenn dann auch nach 15 Jahren keine verwertbaren Ergebnisse präsentiert werden können, ist es halt so. Knapp eine Million Tiere werden jährlich allein in Deutschland zur Grundlagenforschung gequält.

Tierversuche für Tabakerzeugnisse, Waschmittel und Kosmetika sind in Deutschland seit 2004 „grundsätzlich“ verboten. Kosmetikhersteller haben mit diesem Verbot kein Problem, sie lassen ihre Produkte und Rohstoffe einfach in Drittländern testen, falls sie keine Ausnahmegenehmigung bekommen.

Seit 2007 gibt es REACH (EU-Chemikalien-Verordnung). REACH besagt, das alte Chemikalien (vor 1981 auf den Markt gebracht, seit dem werden Chemikalien systematisch an Tieren getestet), auf ihre Giftigkeit geprüft werden müssen. Bisher gewonnene Ergebnisse werden nicht einbezogen, laut REACH müssen diese Stoffe größtenteils an Tieren getestet werden. Viele Wissenschaftler und Forscher haben öffentlich erklärt, dass Tierversuche in den meisten Fällen nicht notwendig sind, trotzdem hat die EU diese Entscheidung getroffen. Die Herstellung vieler Produkte hat irgendwann im Laufe ihrer Wertschöpfungskette mit dem Einsatz von unter REACH fallenden Chemikalien zu tun – auch Kosmetika. Schätzungen für die Anzahl der Tiere, die in für REACH durchgeführten Versuche genutzt werden, gehen weit auseinander – von 8 bis hin zu 54 Millionen. Hier könnt ihr mehr über REACH lesen. 

Oft lese oder höre ich von Menschen, die sich nie mit der Tierversuchs-Problematik auseinandergesetzt haben, das Argument: „Aber wenn du mal krank bist, bist du froh über die Medikamente, die durch Tierversuche erst entwickelt werden konnten.“ Ja natürlich, wenn ich ernsthaft (!) krank bin, bin ich über jede Medizin dankbar, die mir hilft. Ich bin mir jedoch bewusst, dass Tierversuche dank der fortgeschrittenen Wissenschaft gar nicht mehr nötig sind, weil es Alternativen gibt. Und ich weiß, dass die Mehrzahl der Versuche überflüssig ist, weil längst Daten vorliegen oder die Ergebnisse völlig sinnlos und irrelevant für unsere Gesundheit sind.

Ich wollte an dieser Stelle Quellen angeben, habe dann gemerkt, dass ich viele Stunden im Internet verbracht habe und empfehle euch, das gleiche zu tun. Allein die Eingabe in einer Internet-Suchmaschine liefert genug Material, um stundenlang beschäftigt zu sein. Ganz zu schweigen von zahlreichen, grausamen Bildern. Dieser Artikel sollte sich eigentlich um tierleidfreie Kosmetik handeln… ich bin beim Tierleid hängen geblieben…

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