Mein Rohkost-Experiment – 14 Tage kalte Küche

AllesRoh

Schon lange will ich mich näher mit dem Thema Rohkost befassen, aber dadurch, dass ich durch Job, Fahrtzeiten, Haustiere, Freund, neuerdings wieder Sport und Haushalt ziemlich eingespannt bin und kaum Zeit für’s Einkaufen geschweige denn für’s Kochen habe, ernähre ich mich eher halbherzig. Klar, vegan muss es sein, aber häufig esse ich unterwegs und wenn wir selbst kochen, ist zwar viel Frisches dabei, aber dennoch greifen wir ständig auf halbfertige Lebensmittel zurück, die nur noch erhitzt werden müssen. Zu viel Fett, zu viele falsche Kohlenhydrate … Wir abonnieren zwar eine Biokiste mit regionalem Obst und Gemüse, trotzdem könnte die Ernährung besser sein. Warum sonst ist mein Hautbild so schlecht und ich schaffe es nicht, mal langfristig ein paar Kilos loszuwerden?

Wie auch immer, jetzt habe ich es tatsächlich mal geschafft, mir Urlaub zu nehmen. Zwei Wochen keine Fahrten nach Köln, zwei Wochen die Möglichkeit, spontan einkaufen zu können und stundenlang in der eigenen Küche zu stehen. Da kam mir die super Idee, ich könnte doch direkt auch zwei Wochen Rohkost daraus machen. Beginn: Dienstag, der 25. Februar.

Okay, der erste Schritt war also die Idee – schon mal gut soweit. Der zweite Schritt war, soweit ich die Zeit gefunden habe, im Internet zu schauen, was man für Rohkost benötigt. Grundnahrungsmittel? Nüsse und Samen sind wohl wichtig, Avocados (die mag ich überhaupt nicht), reife Bananen und anderes Obst, Beeren, (Wild-)Kräuter, Salate, Mangos (die mag ich auch nicht), gute Öle, jede Menge grünes Gemüse und ein Bisschen Wurzelgemüse und sogar Kohl – das bekommt man alles recht leicht. Küchenzubehör? Mixer, Messer, Keimgläser und -schalen, Küchenmaschine, Kühlschrank und einen Dörrautomaten. Letzteren habe ich nicht, aber ist der wirklich wichtig, wenn ich das nur zwei Wochen lang machen will?

Rohbuecher

Naja, erstmal weiter denken. Vielleicht wären ein paar Bücher nicht schlecht, da das Thema wohl doch sehr umfangreich ist. Ich habe mir vor ca. 1,5 Jahren das Buch „AllesRoh“ von Angelika Fischer auf der Rohvolution in Mülheim gekauft und nie wirklich reingeschaut. Das wäre jetzt wohl ein guter Anfang, aber ich brauche ja auch Rezepte. Zwei Rezeptbücher für Rohkost hatte ich sogar tatsächlich schon, aber von Torten, Kuchen, Keksen und Grünen Smoothies kann ich keine zwei Wochen überleben. Vor allem nicht, wenn die Kuchenrezepte alle wieder die Zubereitung im Dörrautomaten beinhalten.

An dieser Stelle ist mir eine meiner lieben Kolleginnen eingefallen, die selbst zig Kochbücher hat und auch gerne Rohkost mag. Also habe ich mir bei ihr ein paar Bücher über’s Wochenende ausgeliehen und mal wieder festgestellt, dass ein Dörrautomat wohl unverzichtbar ist. Das Resultat dieses Wochenendes war dann, dass ich eins der Kochbücher meiner Kollegin erstmal behalten habe „Gorilla Food“ von Aaron Ash und mir zwei noch dazu bestellt habe „Raw & Simple“ und „Going Raw“ von Judita Wignall, weil in diesen Büchern schöne Einleitungen und Tipps sind – bestens für eine Anfängerin wie mich. Und wir haben tatsächlich einen Dörrautomaten bestellt … und weil wir keine halben Sachen machen, gleich den Sedona von Keimling – wenn, dann richtig.

ChocoDelic

Gestern war dann der erste Rohkosttag. Begonnen hat er mit einem Blick in den Kühlschrank und der Frage „Was kann ich eigentlich jetzt essen?“. Da ich keine Zeit hatte, großartig vorzubereiten, war der Einstieg in die Rohkost leider ziemlich ernüchternd. Ich habe mich mit einer Banane und Schokomandeln von Choco Delic gerettet. Da das so aber keine zwei Wochen gehen kann, obwohl die Schokomandeln der Knaller sind, habe ich noch mal in’s Internet geschaut und mir eine Einkaufsliste geschrieben. Der Dörrautomat und die bestellten Bücher waren leider noch nicht da. Also Einkaufszettel schnappen und eine Einkaufstour machen – natürlich nachdem die Hunde für eine Stunde im Wald gelüftet wurden. Ich war in zwei Bioläden, einem Supermarkt und einem Reformhaus. Ich habe ziemlich viel Geld ausgegeben, glaube ich, aber wofür eigentlich? Ein paar Snacks und Riegel, damit ich im Notfall etwas zu essen habe. Nüsse, Samen, ein Keimgerät (zusätzlich zu den Keimgläsern, die ich schon habe), Obst und Gemüse, Gewürze … Etwas für den Anfang. Unterwegs habe ich dann ein wenig Dattelkonfekt und Snacks aus gekeimten Saaten gegessen, weil der Hunger sich langsam bemerkbar machte.

Nach der Einkaufstour durch sämtliche Nachbarstädte bin ich dann direkt zum Sport, wo ich mich in den ersten zehn Minuten ein wenig schlapp fühlte, was aber auch daran liegen kann, dass ich mich die letzten Tage körperlich mehr als sonst verausgabt habe. Nach dem Sport gab es zu Hause dann endlich etwas Richtiges zu essen: ein Rote Beete Carpaccio mit Salat, Champignons, Gurken, kleinen Tomaten und Zedernkernen.

Rohkostsalat

Das Hauptgericht waren Zucchini-Nudeln (wie gut, dass ich schon einen Spiralschneider habe) mit Pesto (wie gut, dass ich auch schon einen Blender habe) aus getrockneten Tomaten, Pinienkernen, Basilikum, Öl und Gewürzen. Das Rezept findet ihr hier. Das Essen war richtig lecker und ich habe meine Hälfte nicht mal ganz geschafft, weil ich ziemlich schnell satt war. Martin hat alles aufgegessen und fand es auch sehr lecker. Allerdings hat er danach noch aufgewärmte Reste vom Gemüseauflauf vom Vortag gegessen. Er braucht halt mehr als ich.

Als Dessert gab es dann Eis aus gefrorenen Beeren, Minzblätter aus dem eigenen Garten und Vanillepulver. Rohkost kann so lecker sein!

Rohkostspaghetti

Unter’m Strich war der erste Urlaubs-Rohkosttag ganz okay. Ich musste nicht hungern und hatte Spaß bei der Zubereitung. Aber dass Rohköstler in der Küche weniger aufräumen und putzen müssen, kann nicht stimmen. Durch die Schnibbelei habe ich doch ganz schön viel Dreck gemacht, auch wenn Ofen und Herdplatten nicht benutzt wurden. Mit meinem großen AllesRoh-Buch bin ich dann in’s Bett gegangen und habe spannende Fakten über Tomaten und Möhren gelesen. Wusstet ihr, dass reife Tomaten jede Menge Glutamat enthalten und Möhren nicht zum rohen Verzehr geeignet sind? Und ich glaube, ich muss ganz dringend mal bei einer Wildkräuterführung mitmachen. Am Wegesrand wachsen so viele Schätze …

Mal schauen, wie es die nächsten Tage weitergeht … Habt ihr Ideen, Tipps und/oder Rezepte für mich?

Veganes Party-Essen …

Eiersalat

 

… oder einfach ein leckerer Brotaufstrich.

Wenn ich Gäste einlade, die selbst nicht vegan sind, frage ich mich immer wieder, was ich servieren kann, damit ihnen wirklich nichts fehlt. Der „Eiersalat“ von Björn Moschinski aus seinem Buch „Kochen für alle“ ist eine der vielen Party-Speisen, die ich entdeckt habe. Er besteht aus Nudeln, Kichererbsen, Zwiebeln, Majo, Schnittlauch, Kurkuma, Salz und Pfeffer. Da ich es selbst noch nicht geschafft habe, vegane Majo hinzubekommen, nehme ich gekaufte.

Den „Eiersalat“ gab es an meinem Geburtstag zum Frühstück und wir haben zu zweit fast alles auf einmal aufgegessen.

Ein Herz für Tiere

Gewinn

Ich habe tatsächlich mal etwas gewonnen. Wenn ich mich recht erinnere, sogar das erste Mal in meinem Leben. Von komischen Tombola-Losen mal abgesehen. Ich habe bei der Aktion „4 Wochen VEGAN essen“ von Ein Herz für Tiere und dem Deutschen Tierschutzbund mitgemacht. Folgende Bücher konnte man gewinnen: „Vegan zu Hause und unterwegs“, „Anständig essen“ von Karen Duve (habe ich schon) und „Kochen ohne Tiere“.

So einfach war es: Man sollte ein Foto von sich hochladen und einen kleinen Text darüber schreiben, warum man an der Aktion teilnimmt bzw. welche Erfahrungen man mit der veganen Ernährung gemacht hat.

Mein Gewinner-Text (Ich bin selbst überrascht, dass der genommen wurde. Vermutlich hat das Los entschieden!?):

„Für mich ist es selbstverständlich, dass die vegane Lebensweise die einzig logische Konsequenz für uns Menschen ist. Ich mache gerne mit bei dieser Challenge und werde auch danach weiterhin vegan leben… so wie jetzt auch schon. Ich hoffe, dass viele Menschen durch Ihre Aktion dazu gebracht werden, vegan zu leben. Und ich hoffe, dass der Deutsche Tierschutzbund wieder von dem Tierschutz-Fleischsiegel absieht, da dies einzig dazu da ist, der Fleischindustrie einen Heiligenschein aufzusetzen und dem Fleischkonsumenten ein gutes Gewissen einzureden.“

Aus dem Buch haben wir noch nichts gekocht. Es ist sehr Kohlenhydrat- und Fast-Food-lastig. Bei dem Wetter stehe ich mehr auf Salate, leichte Gemüse-Gerichte und Müslis. Aber die Speisen im Buch sehen sehr lecker aus!

Isst du denn nur noch Salat?

kochbuecher

 

Auf Parties oder besonderen Anlässen, eigentlich in allen Situationen, in denen es um’s Essen geht, wird man als Veganer gefragt, ob das nicht besonders schwierig ist, sich so zu ernähren. Klar, wenn man irgendwo ist, wo es wirklich keine Speisen gibt, die vegan sind, dann kann man halt nichts essen. Aber hey, wer meine Figur kennt, weiß, dass ich nicht gerade hungern muss. Daher ist es nicht schlimm, wenn ich mal nicht zugreifen kann. Aber sonst ist es mehr als einfach. Es gibt genug Kochbücher, es gibt genug Lebensmittel, es gibt mehr als genug… Hier nur eine kleine Auswahl von dem, was so bei uns auf dem Tisch landet:

(von oben links nach unten rechts)

  1. Brokkoli mit „Sahnesauce“, Hefeflocken und gerösteten Mandelstiften. Dazu Kartoffelpüree und Bratlinge
  2. Perlgraupenrisotto mit panierten Soja-Medaillons
  3. Gegrillte Karotten mit Zitronen-Pfeffer-Butter auf Goldhirse
  4. Couscous mit Blumenkohl in „Käse-Sahne-Sauce“, Tomaten und Gemüsebratlingen

4essen

 

Gnocchis mit Gyros (von Wheaty) und Paprika, dazu selbstgemachtes Tzatziki und Tomate

Für das Tzatziki nimmt man übrigens einfach Soja-Joghurt, Zwiebeln, Knoblauch und Gurke je nach Geschmack. Das Ganze wird dann mit Salz und Pfeffer gewürzt. Ich würze zusätzlich mit „Heureka!“ – das ist eine griechische Gewürzmischung von Herbaria und gibt dem ganzen diese typische griechische Note. Passt perfekt zu Gyros!

 

gyros

Statt normalen Nudeln mache ich gerne Nudeln aus Karotten und Zucchini. Dazu nehme ich einen Spiralschneider. Man kann diese Gemüsenudeln entweder ganz roh essen oder kurz dünsten. Auf dem Bild unten seht ihr Nudeln mit Blattspinat in Rahmsauce und gemörserten Walnüssen.

gemuesenudeln

 

Kürbis-Möhrensuppe: Ganz einfach: Zwiebeln in Öl glasig dünsten, Möhren und Kürbis (Hokkaido) hinzugeben, mit Gemüsebrühe ablöschen und darin köcheln lassen. Das Ganze dann pürieren und mit etwas Sojasahne und Gewürzen verfeinern.

Kuerbissuppe

French-Toast: Statt Ei nimmt man Banane und zwischen die beiden Lagen kommt Marmelade. Soooo lecker, aber leider auch extrem kalorienreich.

frenchtoast