Papier – Recycling und Upcycling

Urwald-Spot von Greenpeace

Nachhaltigkeit ist gerade im Büroalltag ein großes Thema. Das fängt beim Papier an, denn egal wie digitalisiert unsere Welt ist, DAS papierlose Büro gibt es noch nicht. Oder habt ihr ein Beispiel? Beim Druckerpapier gibt es gleich diverse Eigenschaften, die es erfüllen sollte. Bisher hat es noch kein Hersteller geschafft, wirklich richtig, richtig weißes und haltbares Papier herzustellen, dass zu 100 % recycelt und umweltschonend hergestellt ist. Aber mittlerweile gibt es schon sehr schöne Sorten, die optisch weit weg von dem Recycling-Papier sind, dass wir alle von amtlichen Schreiben kennen.

Wie ist das eigentlich mit dem Recycling? Recyclingpapier darf man wirklich nur zu dem Papier sagen, dass zu 100 % aus Altpapier besteht. Allerdings kann es nur fünf bis sieben Mal wiederverwertet werden, denn mit jedem Recyclingprozess werden die Fasern kleiner und brüchiger. Diverse Papiere können zu 100 % aus Altpapier bestehen, dazu gehören Zeitungen, Hygienepapiere und Karton bzw. Wellpappe. Anderen Papieren werden meist Frischfasern zugefügt, damit sie häufiger recycelbar sind.

Dass das Recyceln von Papier nicht die allerletzte Lösung ist, wird spätestens dann klar, wenn man sich den Prozess mal ansieht. Auf der einen Seite werden zwar keine Bäume gefällt, es wird nicht so viel Wasser und Energie verwendet und es kommen weniger Chemikalien zu Einsatz, aber letztendlich benötigt man Energie, Wasser und jede Menge Chemikalien. Außerdem fällt eine Menge Abfall an. Schauen wir mal in den (von mir stark vereinfachten) Prozess rein:

Ihr alle sammelt hoffentlich euer Papier und entsorgt es in den entsprechenden Tonnen, statt es mit in den Hausmüll zu werfen. Papier ist ein wichtiger Rohstoff und es heißt sogar, dass für die Herstellung eines Frischfaserkopierpapiers genau so viel Energie verbraucht wird, wie für Stahl. Davon abgesehen, dass für die Gewinnung von Holz wichtige Urwälder abgeholzt und Lebensräume diverser Tierarten und indigener Völker zerstört werden. Also zunächst muss euer Papier abgeholt werden, vermutlich landet es erst bei einer Sammelstelle und wird von dort aus zur Verwertung in eine Papierfabrik gebracht. Dort wird es von all dem Zeug getrennt, das im Altpapier gelandet ist, aber mit den benötigten Fasern nichts zu tun hat. Und das ist eine ganze Menge: sog. Spuckstoffe, z.B. Kunststoffe (Folien, Laminierung), Beschichtung und Verbundstoffe, Steine, Metalle (Heftklammern, Stahldrähte der Papierbündel), Sand, Textilien (Buchbindung), Gummiteile, Glas, und sogar falsch getrennter Hausmüll.

Jetzt geht’s aber erst los mit der richtigen Reinigung, da für Kopierpapiere auch die Druckerfarben ausgewaschen werden muss. Dafür werden Chemikalien benötigt und es bleiben Deinking-Schlämme sowie Fangstoffe übrig, die aufwändig entsorgt werden müssen. Aus den gereinigten Fasern wird dann das Altpapier hergestellt. Bis dahin gab es eine Menge Transportwege und viel Abfall, aber bei weitem weniger, als bei der Herstellung von Frischfaserpapier.

Worauf man beim Kauf von Kopierpapier achten sollte

Nicht alle Papiere, die als „umweltfreundlich“ deklariert werden, sind es auch. Man kann die wirklich umweltfreundlich aber recht gut an bestimmten Merkmalen erkennen. Hier ein paar Tipps zu Siegeln, Zertifikaten und Begriffen:

  • Der Blaue Engel: Dieses Umweltzeichen ist euch sicher geläufig. Es steht für 100 % Altpapieranteil, chlorfreie Bleiche, Einhaltung von Schadstoffgrenzen, keine Verwendung von Stoffen, die z. B. Krebs erzeugen oder das Erbgut verändern etc. Alles in allem sind die Regularien hier strenger reguliert, als bei anderen Siegeln, daher sind Produkte mit diesem Siegel empfehlenswert. Zudem kann es hohe Weißwerte haben. Der Blaue Engel ist ein Zeichen vom Umweltbundesamt und RAL.
  • UWS-Papier (Umweltschutzpapier): UWS hat noch höhere Ansprüche an die Umweltverträglichkeit als der Blaue Engel. Es hat den geringsten Energieverbrauch, wird nicht gebleicht oder gefärbt, dafür ist es sehr grau und es kann wohl noch technische Probleme mit bestimmten Druckern geben.
  • Ökopa Plus: Dies ist ein Hersteller-Siegel, das jedoch sehr hohe Standards verspricht. Demnach ist Ökopa auch UWS-Papier, wird jedoch mit Kreide und Kaolin gebleicht, wodurch bessere Weißwerte erzielt werden können.
  • FSC (Forest Stewardship Council®) ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation, in der Wirtschaftsunternehmen, Gewerkschaften, Umweltorganisationen und Interessensvertreter indigener Völker zusammenkommen. Diese Organisation setzt sich für eine nachhaltige Forstwirtschaft ein. Unternehmen müssen bestimmte Kriterien erfüllen, um vom FSC zertifiziert zu werden. Es gibt diverse Kritik am FSC, so sollen unter diesem Deckmantel z. B. Urwälder abgeholzt und Monokulturen unterstützt werden. Kritiker äußern sich vor allem negativ über die Unabhängigkeit der Organisation sowie über die große Macht der Wirtschaftsunternehmen, die ein großes Mitbestimmungsrecht haben. Auf der anderen Seite gibt es Unternehmen, denen auch die FSC-Richtlinien zu streng sind und die sich daher wirklich unglaubwürdige Stempel aufdrücken. FSC-Siegel findet man auch auf anderen Holzerzeugnissen.
    • FSC 100 %: wird ausschließlich aus FSC-zertifizierten Hölzern hergestellt
    • FSC Mix: wird aus FSC-zertifizierten Hölzern, Recyclingfasern und Hölzern aus kontrollierten Quellen hergestellt
    • FSC Recycled: wird ausschließlich aus Recyclingmaterial hergestellt
  • PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) ist auch eine unabhängige Organisation, die sich für eine nachhaltige Forstwirtschaft einsetzt und Unternehmen nach bestimmten Kriterien zertifiziert. Auch am PEFC wird einiges kritisiert. So sollen die Zertifizierungs-Standards zu lasch sein, indigene Völker werden nicht mit einbezogen und die Kontrollen seien nicht ausreichend. Die Papiere könnten umweltschädlich gebleicht sein und aus geschützten Waldgebieten kommen. 
  • Nordic Environment Label: Wird von einem schwedischen Institut vergeben und hat im Gegensatz zu anderen Labeln eher geringe Standards. So müssen anscheinend nur 15 % des Holzes aus nachhaltiger Forstwirtschaft kommen und 50 % aus Altpapier, Sägemehl oder Resthölzern. Dieses Label ist bei uns weniger geläufig, kann euch aber über den Weg laufen. 
  • Holzfrei: ist irreführend, da es eigentlich „holzstofffrei“ bedeutet. Für die Herstellung wird natürlich Holz (aber eben nur die Zellulose, nicht die Holzstöffe) verwendet.
  • Die Europäische Blume: Dieses EU-„Siegel“ ist wohl nicht zu empfehlen, da nur sehr geringe Ansprüche gestellt werden, so muss das Papier z. B. nicht recycelt sein.
  • Aqua pro Natura: Hierfür muss anscheinend kein Altpapier verwendet werden. Das Holz kommt nicht aus Tropenwäldern, kann aber aus anderen Urwäldern kommen. Dieses Zeichen ist dann wohl auch nicht zu empfehlen.
  • Chlorfrei
    • ECF (Elemental Chlorine Free) Zum Bleichen wird kein elementares Chlor verwendet, dafür aber Chlorverbindungen. Hier werden Umweltbelastungen gering gehalten, aber nicht ausgeschlossen.
    • TCF (Totally Chlorine Free) Zum Bleichen werden weder elementares Chlor noch Chlorverbindungen sondern Sauerstoffverbindungen genutzt. Das Papier ist teurer und weniger weiß, aber dafür haltbar und umweltschonend hergestellt.
    • PCF (Proces Chlorine Free) Diese Bezeichnung wird für Altpapier verwendet. Da man natürlich nicht sicherstellen kann, ob und wie das recycelte Papier gebleicht wurde, steht PCF dafür, dass für den Recyclingprozess keine Chlor oder Chlorverbindungen genutzt werden.

briefumschlaegeNeben Recycling gibt es beim Papier natürlich auch Möglichkeiten des Upcyclings. So nutze ich z. B. Briefumschläge, die direkt aus alten Landkarten hergestellt werden. Reinigung, Bleichverfahren etc. fallen also direkt weg. Zudem sehen diese Briefumschläge auch noch gut aus. 🙂

Einige Quellen

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