Minimalismus vs. Primark & Co.

Ich beschäftige mich in der letzten Zeit ja primär mit Minimalismus, worum es auch schon in meinem letzten Artikel ging. Und je mehr ich mich damit beschäftige, desto häufiger frage ich mich, wie es bloß zu dem Konsumverhalten kommen konnte, der gerade normal geworden ist.

So Mädels, die ihr bei Primark & Co. shoppen geht und mit gehäuften Taschen nach Hause geht, erklärt mir mal was: Was läuft da in euren Köpfen ab? Ich bin ja nun nicht soooo alt und teilweise keine 10 Jahre älter als so manche Youtuberin, die ihre Haul Videos von Primark, DM, IKEA etc. hochladen und dabei jeweils zig Produkte vorstellen, aber als ich noch in die Schule gegangen bin, war es unmöglich, mit Billigklamotten cool zu sein. Ich will ja nun nicht diese Mentalität von „damals“ loben, als man noch fertig gemacht wurde, wenn man keine Markenklamotten getragen hat – ganz im Gegenteil, das war scheiße. Aber einen positiven Effekt hatte es: Meine Schulkollegen haben ihre Sachen wertgeschätzt, gepflegt und lange getragen. Damals war man schon cool, wenn man eine Levi’s-Jeans hatte – auch wenn man die immer getragen hat. Und wenn man drei davon hatte, war man obercool. Dazu noch ein Adidas-Shirt, eine Diesel-Jacke und Markenschuhe und alles war gut. Wenn du Deichmann-Sneakers getragen hast, hat sich mit Sicherheit irgendwer über dich lustig gemacht. Noch mal: Ich will diese Mobbing-Mentalität nicht gutheißen, aber damals hast du 160 DM für eine Hose ausgegeben bzw. dir diese eine Hose zu Weihnachten gewünscht und warst mega glücklich. Mit … EINEM … TEIL!

Heute kauft ihr wöchentlich tütenweise billiges Zeug, das ihr vielleicht einmal tragt und dann wegschmeißen könnt, weil es nach dem ersten Waschen zerfällt. Ihr kauft euch euren 97. Nagellack und das 36. Shampoo oder Duschgel, nur weil das nach Popcorn im Park riecht. Ihr verbraucht Ressourcen für den letzten Müll und scheißt auf die Konsequenzen, die der Planet und die Menschheit zu tragen haben. Ihr fühlt euch cool, billig zu sein, auch wenn ihr andere dabei ausnutzt.

Und was zur Hölle stimmt nicht mit den Managern dieser beschissenen Konzerne, die diesen Mist produzieren, auf Kosten der Armen, und unsere Jugend dazu anstiften, diesen Mist zu kaufen?

Ich weiß nicht, warum ich diese Wortwahl verwende, aber die letzten Tage steigt in mir eine Wut hoch, die ich nicht beschreiben kann. Und es ist kein Wunder, wenn ausgerechnet in dieser Zeit der Minimalismus-Trend so gewaltig wird. Ich meine, wir können so viel konsumieren, selbst wenn wir zu den Ärmeren in unserem Land gehören, dass uns der Konsum doch echt schon zum Hals raushängt. Es geht uns zu gut! Und natürlich will ich nicht, dass es uns schlechter geht, aber wir müssen hier echt mal kapieren, dass wir da auf einer gewaltigen Welle getragen werden und es nicht mehr lange dauert, bis wir mit dieser Welle an irgendeiner Felswand zerschellen und dann haben wir gar nichts mehr und ärgern uns, dass unser Zeug für den Verfall gemacht ist …

Als ich damals in der Schule war, habe ich diesen Markenklamotten-Trend übrigens ungefähr zwei Jahre mitgemacht – 5. und 6. Klasse. Dann hat mich das so genervt, dass ich mich völlig davon abgewandt habe. Ich habe meine (wenigen) Markenklamotten entweder getauscht oder auf links getragen und teilweise zerschnitten, so dass man auf keinen Fall erkennen konnte, dass es ein Markenteil von Chiemsee oder wasauchimmer ist. Und diese Sachen habe ich dann jahrelang getragen und geliebt. Ich habe meine Klamotten in Domestos Bleiche geschmissen und mir die Haare bunt gefärbt (später schwarz). Ich habe mein eigenes Ding gemacht und wisst ihr was? Ich war immer noch cool und hatte immer noch einen Haufen Freunde. Damit will ich nicht sagen, dass alle so sein sollen, wie ich war – nein, ganz im Gegenteil. Seid doch mal ihr selbst, seid doch mal anders, denkt doch mal richtig nach, bevor ihr etwas konsumiert und dann nicht wertschätzt. Und mit wertschätzen meine ich nicht, jeden Tag auf die ach so schöne Schalsammlung zu schauen und zu überlegen, welche Farbe noch fehlt, um die Farbpalette voll zu haben, aber kaum einen davon zu tragen, weil ihr einfach zu viel habt.

So, dieser Artikel hier ist jetzt völlig ohne Vorlaufzeit entstanden, daher auch kein Bild. Ich musste das einfach loswerden. Und jetzt gehe ich ins Bett, gebe meiner Tochter einen Kuss und wünsche mir, dass der Planet noch einigermaßen gesund ist und dass es uns hier noch genau so gut geht, wenn sie älter wird. Und hoffentlich wir die nächste Generation dann auch etwas vernünftiger … Ich meine, wie wollen wir unseren Kindern das erklären? So?: „Ja, mein Schatz, wir wussten, dass wir den Planeten zerstören, aber … dieses Oberteil! Ich musste es doch haben!“

Was meint ihr dazu? Wie denkt ihr darüber?

3 Gedanken zu “Minimalismus vs. Primark & Co.

  1. Super Statement. War für mich auch seltsam, dass heute Billigklamotten auf einmal cool sind… aber da sieht man, es ist ein ganz einfaches prinzip: cool ist was die Masse macht. Und wer das am extremsten machen kann / macht ist am coolsten.

  2. Ist es nicht verwunderlich? Die Medien klären heute oft genug auf, auf wessen Kosten wir billige Klamotten kaufen können, billiges Fleisch, Milchprodukte usw.. Doch solange alles billig ist, interessiert es die wenigsten. Das Menschen und Tiere dafür leiden müssen, wird einfach verdrängt. Wenn du an bestimmten Läden nur vorbeigehst, weht dir schon der Duft von Chemie entgegen. Jeder der z.B. diese Bekleidung kauft, sollte sich vor Augen führen, dass er nicht nur sich selbst schadet sondern besonders die Menschen, die in der Produktion arbeiten und keine Wahl haben, weil sie davon leben oder viel mehr überleben müssen. Andersherum, selbst teure Markenkleidung wird oftmals in den selben Ländern und Fabriken gefertigt. Und ob der Lohn für die Arbeiterinnen und Arbeiter dadurch höher ausfällt bezweifle ich, daran verdienen wieder andere. Die Wirtschaftsunternehmen sehen nur ihren Gewinn, hier wird niemand etwas ändern wollen. In meinen Augen ist die Politik gefragt. Doch wollen die Politiker etwas ändern? Deshalb müssen wir, die Verbraucher, mit unserem Konsumverhalten etwas ändern und unseren Egoismus überdenken. Möchten wir es uns wirklich auf Kosten anderer gut gehen lassen?

  3. Der Text geht unter die Haut. Die Wortwahl ist dementsprechend angepasst. Es wäre nur zu schön, wenn dieser Text auch die richtigen erreichen würde.
    Menschen, die konsumieren ohne nach zu denken und alles haben müssen, werden meiner Meinung nach keine Lust haben mehr als Überschriften zu lesen. Oder?
    Naja, jeder Mensch ist einzigartig. Bestes Beispiel: Die Schwester von meiner Freundin. Ein gebildetes, gut verdienendes Mädel. Ich habe bei Ihrem Umzug in eine neue Wohnung mitgeholfen und war unglaublich erschreckt wie viele Sachen ein Mensch besitzen kann, der gerade mal Mitte 20 ist. Das waren wohl überwiegend Marken- Klamotten, aber von jeder Sorte ca. 10 Stück, wenn nicht sogar mehr. >Den Schal in jeder Gott- verdammten Farbe<, triffts auf den Punkt.
    Gut, diese "Marken- Klamotten" wurden auch in Billig- Lohnländern gefertigt z.B. Bangladesch. Meine Freundin half mir, diese Klamotten in Müllsäcke zu räumen und bekam aufgrund ihrer Allergie zu chemischen Produkten relativ schnell Haut- Ausschlag. Das hat uns erstmal gezeigt, wie belastet Markenklamotten bzw. „Qualitätsprodukte?“ sind, die lange getragen wurden. Echt übel.
    Wir konnten die Schwester meiner Freundin relativ gut und schnell umstimmen, ein wenig bewusster zu konsumieren.
    Sie trägt heute meistens ECO- Fashion, so wie die MUD Jeans http://www.mudjeans.eu/.
    Für solche Klamotten muss man halt sparen und ich selbst besitze nur drei von den Jeans, die ich mit Sorgfalt und Genuss trage. Aber das ist cool. Meine Freunde finden es auch cool (machen hoffentlich auch bald mit). Und die Schwester meiner Freundin auch.
    Wir sollten wirklich hoffen, dass ein Umdenken stattfindet und bewusster eingekauft wird.
    Marken wie Tchibo und OTTO bieten wenigstens schon BIO- Klamotten an. Ob es Greenwashing ist, sei mal dahin gestellt. Immerhin ein Anfang.
    Fazit:
    Der Konsument ist das Ende der Kette. Wir können beeinflussen. Nur am Anfang steht der Kapitalismus (Märkte), die die volle Breitseite der Globalisierung nutzen um den Konsum/ Ertrag zu erhöhen. Weil sie es dürfen und können.
    Vorschlag:
    Revolution? Konsumenten schließt euch zusammen um das Konsumverhalten zu revolutionieren und jeden noch so einfach denkenden Menschen auf zu klären.
    Fingers crossed für eine bessere, gesündere Welt!
    Es gibt viel zu tun!

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