Mein Fairphone – eine erste Bilanz nach 1,5 Jahren

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Wenn man möglichst fair und nachhaltig konsumieren will, gibt es Bereich Smartphone derzeit vermutlich keine optimale Lösung. Entweder man kauft ein gebrauchtes Telefon, wodurch man die Nachfrage nach neuen Mobiltelefonen nicht unbedingt senkt oder man kauft ein Fairphone. Letzteres wurde entwickelt, um eine fair gehandelte Alternative zu den derzeit am Markt bestehenden Produkten zu bieten. Das Projekt ist unterstützenswert, aber natürlich ist klar, dass es in diesem hart umkämpften Markt nicht möglich ist, wirklich zu 100 % unter fairen Arbeitsbedingungen zu produzieren, jedenfalls nicht sofort. Dennoch versucht der Hersteller an allen Produktionsstätten sowie an den Orten der Rohstoffgewinnung die besten Bedingungen für die Arbeiter auszuhandeln und Jobs zu schaffen. Und der Verbraucher hat zu jeder Zeit die Möglichkeit, sich über die Webseite darüber zu informieren, wie, von wem und wo die Komponenten produziert werden.

Zudem soll das Fairphone auch für den Nutzer fair sein, indem dieser sich alle Komponenten nachkaufen und austauschen kann. Bei Modellen anderer Hersteller ist es ja mittlerweile bekanntlich so, dass nicht mal ein kaputter Akku ausgetauscht werden kann, weil alles fest verbaut und verschraubt ist. Und nicht jeder hat Sonderwerkzeuge und das nötige Know How, um das Smartphone aufzuschrauben. Auch ein eigenes Betriebssystem soll sich der Nutzer aufspielen können. Während das alles beim Fairphone 1 noch nicht so möglich war, wie gewünscht und angepriesen (vom Akku abgesehen), kommt das Fairphone 2 in einer Modulbauweise und soll damit besonders anwenderfreundlich sein.

Ich selbst kann an dieser Stelle allerdings nur von meiner Erfahrung mit dem Fairphone 1U (U = aus dem zweiten Batch) schreiben. Das zweite, also aktuelle Modell würde ich mir nicht zulegen wollen, weil es für meine Verhältnisse einfach viel zu groß ist (was ja leider ein allgemeiner Trend bei Smartphones ist).

Im Juli 2014 habe ich mein Fairphone bestellt, im September war es dann endlich da. Der erste Eindruck war sehr gut und auch von der Bedienung her hat es mir (als langjährige iPhone-Nutzerin) sehr gut gefallen. Den ersten Minuspunkt hat das Telefon von mir bekommen, als ich den Google Appstore installieren wollte. Dadurch wurden einige andere Funktionen gelöscht oder konnten nicht mehr ausgeführt werden. Aber da dieses Problem allgemein bekannt war, konnte ich über die Hersteller-Webseite herausfinden, was zu tun ist. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass die Webseite sehr aktuell ist und einfach strukturiert und dass dort immer auf aktuelle Probleme mit einfachen Lösungen reagiert wird. Ein weiterer Minuspunkt ist jedoch, dass sich das Fairphone nicht mit meinem Fiat 500 verbindet (im Gegensatz zu meinem iPhone 4, das ich ca. 4,5 Jahre genutzt habe und das jetzt immer noch von meiner Mutter genutzt wird). Also kann ich im Auto nur über das Navi (von Becker) freisprechen, was eine sehr schlechte Qualität hat und wodurch die Navigation verdeckt wird. Musik kann ich über das Fairphone im Auto also auch nicht hören. Aber: mit unserem Seat Leon verbindet es sich wunderbar, sogar über Bluetooth. Es liegt also wohl am System im Auto (beim Fiat 500 ist das System von Microsoft).

Nach Updates gibt es irgendwie immer Probleme. Meine Strategie ist es, ein Update nicht direkt zu installieren, sondern zu warten, ob in den Tagen danach eine E-Mail kommt, dass es zu Problemen kommen könnte. So erspare ich mir diese und kann warten, bis die entwarnende E-Mail mit dem Wortlaut „Probleme sind behoben. Ein neues Update steht bereit.“ eintrifft. Leider ist das Fairphone auch nicht so robust wie alle Telefone, die ich vorher hatte. Schon beim ersten Fall ist das Display gesprungen, allerdings nur an einer Ecke, so dass es die Nutzung nicht beeinträchtigt. (Als Vergleich: Mein iPhone ist mehrmals runter gefallen, über den Asphalt geschliddert und in eine volle Badewanne gefallen ohne je Schaden dabei genommen zu haben.). Der Akku hat von Anfang an nicht so lange gehalten (vielleicht einen Tag), wie mein iPhone-Akku (nach über 4,5 Jahren noch zwei Tage) – jeweils bei ständiger Wlan- und Bluethooth-Verbindung.

Fairphone2

Tja und dann die aktuelle Geschichte, weshalb ich darauf gekommen bin, diesen Artikel zu schreiben. Vor ein paar Wochen oder Monaten fing es an, dass der Akku sich nicht aufgeladen hat. Das Handy hat zwar angezeigt, dass geladen wird, aber wenn ich das Ladekabel wieder entfernt habe, war der Akkuladestand plötzlich noch geringer. Dann hat der Akku plötzlich kaum noch gehalten oder war bei manchen Ladevorgängen schon innerhalb kürzester Zeit wieder voll geladen. Irgendwann hatte mein Freund das Telefon in der Hand und bemerkte, dass sich die Akku-Abdeckung nicht mehr richtig schließen ließ, weil sich die Batterie aufgebläht hatte. Da wir beide beruflich einige Zeit mit Lithium-Batterien zu tun hatten, ist uns bekannt, wie gefährlich diese Dinger sein können und was ein aufgeblähter Akku zu bedeuten hat. (Ja, wir wissen auch, dass die Teile keinen starken Stößen ausgesetzt sein sollten.) Der Akku wurde direkt auf die Terrasse verbannt und ich habe überlegt, was ich nun mache: einen neuen kaufen oder ein neues, gebrauchtes Handy, weil ich eh nicht zufrieden war? Da man ja persönliche Daten und Kontakte auf so einem Smartphone hat, lief es dann doch auf den Akk-Kauf hinaus. Leider sind diese jedoch im Fairphone-Shop ausverkauft und ich habe den Hersteller angeschrieben, ob neue nachgeliefert werden. Bei kurzer Recherche bin ich allerdings parallel dazu auf einen Blog-Beitrag gestoßen, in dem stand, dass das „Bloated Battery“-Problem gar nicht mal so selten bei den Fairphone1 und 1U-Batterien vorkommt und dass der Hersteller bei diesem Problem einen neuen Akku schickt.

Es hat dann schließlich einige Tage gedauert, bis ich eine (allerdings sehr freundliche und leicht verständliche) Reaktion bekam. Ich sollte die Akku-Seriennummer mitteilen und einen Fragebogen ausfüllen. Jetzt, ca. 2,5 Wochen nach dem ersten Kontakt, wurde mein Akku wohl verschickt. Es hat zwar etwas gedauert, aber die Kommunikation war einfach und sehr kundenfreundlich. Danke dafür an die beiden Support-Mitarbeiter, die mir geschrieben haben!

Also werde ich mein Fairphone bestenfalls noch sehr lange benutzen. Es kann schließlich die wichtigsten Funktionen, die ich derzeit brauche: einen Browser (über den ich Facebook nutze, weil die App viel zu langsam ist), WhatsApp, E-Mails, Google Maps und Musik (um das Baby zu beruhigen). 🙂

Dieser Artikel liest sich jetzt vermutlich ziemlich negativ, aber man neigt ja dazu, die negativen Eigenschaften hervorzuheben. Unterm Strich finde ich das Projekt Fairphone weiterhin unterstützenswert und werde mein Telefon hoffentlich noch lange benutzen können. Und falls Fairphone jemals wieder eine kleinere Version auf den Markt bringt, würde ich wohl wieder darauf zurückgreifen.

Habt ihr Erfahrung mit Fairphone oder wollt ihr euch noch eins zulegen?

4 Gedanken zu “Mein Fairphone – eine erste Bilanz nach 1,5 Jahren

  1. Ich überlege schon seit Langem, mir ein Fairphone zuzulegen, auch wenn die Akkulaufzeit nicht überzeugt. Im Endeffekt ist es doch mit jedem Smartphone so. Wir können Menschen auf den Mond schicken aber wir schaffen es nicht, Handys mit soliden Akkus zu erfinden 😉 Dennoch eine tolle Alternative zum iPhone und Co.
    Liebe Grüße

  2. Hallo,
    ich habe auch seit der ersten Auslieferung 2014 ein Fairphone. Neben den Nachteilen überzeugt mich aber das nachhaltige Konzept. Nur leider ist das Akku-Problem erheblich. Ich habe nun schon den 3. Akku, der den Geist aufgegeben hat. Gerade bei einem nachhaltig propagiertem Produkt sollte Fairphone diese schlechten Akkus der ersten Generation (wir haben Fairphone immerhin mit Crowdfunding unterstützt) dringend verbessern.

    • Hallo und vielen Dank für deinen Kommentar. Ich habe den zweiten Akku immer noch, wobei er zeitweise ziemlich schnell ziemlich warm wird, aber ich versuche, sehr vorsichtig mit dem Handy umzugehen. Seit einigen Monaten ist allerdings auch der Kamera-Blitz kaputt, der allerdings sehr günstig ist und den ich ziemlich schnell ersetzen könnte (wenn ich denn endlich einen neuen bestellen würde).

      Würdest du dir ein neues Fairphone kaufen bzw. wie lange möchtest du deins noch nutzen?

  3. Moin 🙂

    Ich bin seit fast drei Jahren stolze Besitzerin des Fairphone FP1U. Für meine Zwecke hats immer gereicht (und drei Jahre Lebensdauer für ein Smartphone sind ja durchaus auch im Rahmen) aber nun bin ich doch enttäuscht. Genau in dem Moment, als mein Akku ebenfalls die genannten Probleme aufweist, bekomme ich eine Mail vom Fairphonesupport: Die Herstellung der FP1(U)-Ersatzteile ist eingestellt worden. Einen Ersatzakku aufzutreiben gestaltet sich nun als sehr schwer. Ich wühle mich seit Tagen durchs Internet. Es ist ja schön, dass alle Teile im Fairphone prinzipiell austauschbar sind, in dieser Situation nützt mir das nur leider garnichts. -.- … Das hatte ich mir beim Kauf anders vorgestellt.

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