Haustierhaltung und vegane Tiernahrung

Ich bin nicht die einzige Veganerin, die omnivore und carnivore Haustiere hält und ich bin nicht die einzige, bei der mit der Zeit Zweifel an der üblichen Haustier-Ernährung auftreten. Ist es überhaupt vertretbar, „Nutztiere“ krank zu züchten, sie zu quälen, mit (gentechnisch verändertem) Kraftfutter und Abfällen zu füttern und sie schließlich zu töten, um ihr ungesundes Fleisch mit anderem Mist zu vermengen und an „Haustiere“ zu verfüttern? Ist es vertretbar, die Meere unter anderem deswegen zu überfischen, um unsere Katzen glücklich zu machen? Wollen wir deswegen die Zukunft der Umwelt und der kommenden Generationen versauen? Weil es unseren Katzen doch so schmeckt?

Ich habe im April in einem Statement von Paul Watson (Sea Shepherd) folgendes gelesen: „Eine aktuelle Studie der Deakin University in Australien, durchgeführt von Dr. Giovanni Turchini und Professor Sena De Silva, bestätigt meine früheren Berichte, dass Hauskatzen mehr Fisch verzehren als viele Seehundarten. Dem Bericht zufolge gehen jährlich 2,48 Millionen Tonnen Fisch in die weltweite Produktion von Katzenfutter. … Der größte Anteil des an Katzen verfütterten Fisches besteht aus Sardinen, Hering, Sardellen und Kapelan, die gleichen Arten, die auch die Basis der marinen Nahrungskette bilden und größere Arten wie Dorsch, Kabeljau, Thunfisch, Schwertfisch sowie Meeressäuger und Vögel ernähren.“ Ich weiß, Katzen lieben Fisch, aber in der Natur würden sie auch keine Sardellen fangen…

Tierhaltung allgemein

Fangen wir ganz vorne an: Ist Haustierhaltung überhaupt vegan? Einige Veganer und noch mehr Nicht-Veganer sagen da ganz klar „Nein!“. Haustierhaltung kann gar nicht vegan sein. Immerhin kann sie kaum artgerecht sein. Wir sperren die Tiere ein, in Wohnungen, in Ställe, in Käfige. Wir zwingen ihnen uns und unseren Willen auf. Sie dürfen nur das fressen, was wir ihnen zugestehen. Wir suchen ihnen ihre Partner aus, falls sie überhaupt welche bekommen. Einige müssen Halsbänder und Leinen tragen, andere Ketten. Viele werden kastriert. Sie sollen gefälligst funktionieren, mit uns schmusen, Kunststückchen machen, auf ihren Namen hören, immer gut gelaunt sein, keinen eigenen Willen haben, aber dennoch süß und putzig und lustig sein. Oder sie sollen arbeiten – jagen, Lasten tragen, Preise gewinnen, hübsche Babies machen… Und wenn sie ihre Pflicht nicht (mehr) erfüllen, landen viele in Tierheimen. (Anmerkung: Ich bin hier sehr verallgemeinernd, natürlich gibt es jede Menge Tiere, die es sehr gut haben in der Obhut ihres Menschen.) Meine Meinung ist: „Ja, Tierhaltung kann vegan sein.“ Solange es Tiere gibt, die auf Hilfe angewiesen sind, solange die Tierheime voll sind… Natürlich bin ich mittlerweile gegen Haustierzucht, auch wenn ich das auch erst einmal lernen musste.

Wir waren am Samstag im Tierheim Wermelskirchen. Eigentlich wollten wir nur ein Meerschwein-Böckchen holen, das dort ohne Artgenossen hocken musste. Abgabegrund: „Der Vermieter erlaubt keine Tiere.“, was natürlich an den Haaren herbeigezogen ist, da Kleintierhaltung im vertretbaren Rahmen nicht verboten werden kann. Wir sind dann noch etwas länger geblieben, haben erfahren, dass allein 120 Katzen im Tierheim sitzen und 50 auf Pflegestellen untergebracht sind, bei einer Kapazität von 90 Katzen (Wermelskirchen ist übrigens nicht groß). Die monatlichen Kosten belaufen sich auf ca. 26.000 €! Da sitzen wundervolle Tiere (auch Rassetiere), die aus den unglaublichsten Gründen abgegeben oder einfach ausgesetzt wurden. Wir haben uns nun dazu entschieden, Mitglied im Tierschutzverein Wermelskirchen und Umgebung e.V. zu werden und hin und wieder werden wir einen Hund zum Spaziergang abholen. Es fällt mir wirklich nicht leicht, mich dort zu engagieren. Allein die Informationen am Samstag waren für mich so erschreckend, dass ich mich anstrengen musste, nicht an Ort und Stelle loszuheulen. Danke an meinen Schatz, der mich aus dieser Stimmung befreit hat, indem er mich darauf hingewiesen hat, dass wir uns doch auf unseren neuen Mitbewohner freuen sollen. Trotzdem habe ich direkt eine kleine Spende in Form von Katzenfutter und ein paar Euros dort gelassen. Und dafür gab es dann leckeren veganen Reibekuchen für uns, nach dem wir das Schweinchen dann benannt haben. 😉

Es gibt Veganer, die würden am liebsten große Reservate bauen, in denen sie alle Haustiere aussetzen würden, weil Tierhaltung nicht artgerecht ist. Jetzt mal ehrlich, können solche Menschen wirklich einen Bezug zu Tieren haben? Viele der überzüchteten Hunde und Katzen und gerade die bunt gezüchteten Kleintiere sind gar nicht in der Lage, ungeschützt auch nur ein paar Tage zu überleben. Klar kann eine Katze mit ihren Instinkten überleben und klar können sich auch viele Hunde zu Rudeln zusammen tun und eine Gemeinschaft bilden, aber welche Chance hat ein Pinscher oder ein weißes Kaninchen? Und welche Chance hat ein ehemaliger Labor-Beagle?

Meinen Kater bekam ich 2005 zusammen mit einer Katze, weil da eine Familie war, die umziehen wollte und die Tiere nicht in ihre neue Wohnung mitnehmen durften. Warum auch immer es unbedingt diese Wohnung sein musste, weiß ich nicht. Jedenfalls wären die Katzen in’s Tierheim gekommen, hätte ich sie nicht aufgenommen. Nach ein paar Tagen musste ich feststellen, dass die Katze auch noch trächtig war. Vermutlich vom eigenen Sohn, den die Vorbesitzer erstmal noch behalten wollten. Die Mutterkatze ist leider wegen einer nicht zu behandelnden Krankheit gestorben, ihre Tochter (6,5 Jahre) und der Kater (fast 10 Jahre) leben immer noch bei mir. Seit April erst sind sie Freigänger. Ihr Spaziergang dauert immer so 10-20 Minuten, sie bleiben in der Nähe und werden nervös, wenn die Türen geschlossen sind und sie nicht jederzeit in die Wohnung können. Der Kater begleitet uns gerne beim Hundespaziergang in den Wald. Eine weitere Katze (die mittlerweile leider an Lungenkrebs verstorben ist), habe ich bekommen, weil sie als dreiwöchiges Kitten in einem Karton ausgesetzt wurde.

Meine Meerschweinchen sind auch „aus zweiter Hand“. Birne Helene (6,5 Jahre) habe ich damals aus einer Dortmunder Notstation übernommen, Luma (3 Jahre) kam vor Kurzem zu mir, weil die Besitzerin für ein Jahr nach Amerika geht. Und Reibekuchen (2 Jahre), den wir Samstag aus dem Tierheim geholt haben, habe ich oben schon erwähnt. Ich habe auch mal ein völlig vermacktes Schweinchen von einer Kaninchenhilfe übernommen. Es wurde vorher zusammen mit einem Kaninchen gehalten und hat einige Wunden davon tragen müssen.

Fazit: Ich hatte immer Tiere und ich werde vermutlich immer wieder Tiere aufnehmen, auch wenn es eine teure Angelegenheit ist. Allein der Bau des neuen Meerschweingeheges, in dem die Tierchen jetzt im Winter wohnen werden, hat um die 400 € gekostet. Auf der einen Seite ist es ein schönes Hobby und ein Kindheitstraum, auf der anderen Seite ist es der Versuch, die Welt für ein paar Fellnasen so verschönern. Hier mal zwei Impressionen vom neuen Schweineheim:

Vegane Hundeernährung

Okay, kommen wir zum eigentlichen Thema dieses Artikels: Ich beschäftige mich jetzt seit Monaten mit der veganen Ernährung von Katzen und Hunden. Mit der Ernährung von Viktor (meinem Hund) musste ich mich schon früh genauer auseinandersetzen, da er Industriefutter nie vertragen hat (Durchfall, Erbrechen, Hautausschlag). Ich habe dann angefangen zu barfen. Kurze Erklärung: BARF = Biologisch Artgerechte Rohfleisch Fütterung. Beim Fleisch habe ich immer darauf geachtet, nur das zu kaufen, was der Mensch nicht will. Ich könnte das jetzt ausschmücken, aber ehrlich gesagt, wird es mir selbst und meinem Freund immer mehr zuwider. Eure Fragen dazu beantworte ich aber natürlich gerne. Viktor bekommt dazu getreidefreie Gemüseflocken, Vitamine, frisches Obst und Gemüse und hin und wieder Kohlenhydrate in Form von gekochten Nudeln, Kartoffeln und Reis. Mittlerweile ist er dazu übergegangen, ganze Äpfel, Bananen, Möhren etc. zu knabbern. Manchmal klaut er den Meerschweinchen deren Möhren… Irgendwann habe ich nicht mehr jeden Tag Fleisch gefüttert, was durchaus auch von BARFern empfohlen wird. Für Urlaube und Ausflüge habe ich in den letzten Monaten veganes (Bio-)Nassfutter gekauft, was er gut vertragen hat.

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs: Hunde sind (wie z. B. wir oder Schweine) Allesfresser. Der Magen ist eher groß und dafür gedacht, schnell große Mahlzeiten aufzunehmen. Der Darm ist kürzer als bei reinen Pflanzenfressern, aber auch länger, als bei reinen Fleischfressern und er ist weniger dafür geeignet, Kohlenhydrate zu verdauen. Die Nahrung soll sich aus folgenden Stoffen zusammensetzen (Quelle: hundekosmos.de): 

  • 25 % Proteine
  • 23 % Stärke
  • 21 % Fette
  • 14 % Pflanzenstoffe
  • 9 % Feuchtigkeit
  • 8 % Mineralstoffe & Vitamine
Das BARFen war für Viktor jahrelang ganz okay, zumindest haben es Magen und Darm gut vertragen. Allerdings hat er sich vermehrt gekratzt, manchmal so sehr, dass er rote Stellen bekommen hat. Ich bin von Herbstgrasmilben ausgegangen, habe Ungeziefer-Sprays gekauft und bestimmte Wiesen gemieden. Vor einigen Monaten fing er dann wieder an, Katzenkot zu Fressen (Anzeichen für Mangelerscheinungen). Und als ich ihn im Sommer geschoren habe, fiel plötzlich auf, dass er stark abgenommen hat. Es waren über zwei Kilo innerhalb von 3-4 Monaten, was bei dem Kleinen viel ausmacht. Ich bin dann natürlich zur Tierärztin und habe ein großes Blutbild machen lassen. Er ist völlig gesund, es muss an der Ernährung liegen… Also haben die Tierärztin und ich uns lange darüber unterhalten, auch über das vegane Futter, das er hin und wieder bekommt und gut verträgt. Für sie war es völlig selbstverständlich, dass er es bekommen soll, wenn es ihm gut tut. Also habe ich keine neue Fleischration gekauft… Es gibt jetzt seit einigen Wochen veganes Nassfutter, wahlweise von Yarrah, Canigourmet und Terra-Pura und veganes Trockenfutter von Yarrah, welches sogar in unserem Bio-Supermarkt angeboten wird. Er ist einer von drei Bürohunden bei meiner Arbeit und darf im Büro weiterhin fleischhaltige Leckerlies von der Chefin bekommen. Zusätzlich gibt es Öle und Vitamine/Spurenelemente. Tja… seine Verdauung ist gut (natürlich mehr als vorher), er muss sich nicht übergeben, ist super fit, frisst keinen Katzenkot mehr, hat jetzt bereits wieder 700 g zugenommen und er kratzt sich nicht mehr. Spätestens im April sind wir wieder bei der Tierärztin und wenn er diese Ernährung gut verträgt, werde ich dabei bleiben. Gut für ihn, gut für mein Gewissen und gut für die Tiere, die nun nicht mehr in seinem Napf landen müssen.
Ich habe übrigens von sieben&siebzig ein Paket mit natürlichen (veganen) Hundeprodukten von Dr. Schaette bekommen:

Die Hundekekse kommen bei Viktor sehr gut an, sind aber leider nicht vegan (hier nur die tierischen Inhaltsstoffe: Geflügelmehl, Geflügelfleischhydrolysat = wird aus Knochen, Knorpeln und Sehnen gewonnen und hat kaum Nährwert, Fischmehl, Molkepulver). Das Shampoo riecht durch die ätherischen Öle wie Erkältungsbad, der Duft verfliegt aber natürlich nach einer Weile. Die Flasche kostet im Shop 10,50 €. Da ich meinen Hund sehr selten dusche, würde ich gut zwei Jahre mit der 250 ml-Flasche auskommen. Leider ist Palmkernöl ein Bestandteil des Shampoos, daher kommt es für uns dann doch nicht in Frage. Den Wundbalsam musste ich zum Glück noch nicht anwenden, wobei ich eben gelesen habe, dass er auch bei Zeckenbissen angewendet werden kann. Sollte ich vielleicht demnächst mal an mir selbst probieren, wenn ich die nächsten Macken durch Meerschweinstallbauereien davon getragen habe. 😉 Den natürlich Zeckenschutz habe ich vorher schon verwendet, allerdings von Trixie. Da die Verpackung inkl. Angaben bei Dr. Schaette und Trixie absolut identisch sind, gehe ich davon aus, dass der gleiche Hersteller dahinter steckt. Es riecht zwar ziemlich nach Zitrus-Lufterfrischer, aber dem Hund scheint das nichts auszumachen – der ein oder anderen Zecke leider auch nicht. Aber ich glaube, die Zeckenbisse sind seltener, als ganz ohne Schutz.

Vegane Katzenernährung

So… und wie ist das nun mit der Ernährung meiner Katzen? Das Mädel frisst ihr Leben lang schon nur ausgewählte Sorten Nassfutter (und sie liebt gekochtes Gemüse, Reis und Nudeln). Der Kater frisst hauptsächlich Trockenfutter, aber auch Nassfutter. Ich habe mich jetzt eine Weile schon damit auseinander gesetzt und bin noch immer nicht zu einer Entscheidung für oder wider gekommen. Ein Bekannter hat mich auf ein Schreiben der Freien Universität Berlin aufmerksam gemacht (Seite 1, Seite 2), in dem ein Prof. Dr. Jürgen Zentek die Inhaltsstoffe des veganen Katzenfutters Amicat und Benevo bewertet. Dies und Informationen, die ich von Haltern veganer Katzen bekommen habe, bestärken mich eher darin, dass vegane Ernährung von Katzen möglich ist, obwohl diese Tiere von Natur aus reine Fleischesser sind (warum ist dann eigentlich vor allem das handelsübliche Trockenfutter so fleischarm und minderwertig?). Ich selbst setze es momentan so um: Das TroFu, das nur der Kater frisst, ist jetzt vegan (Amicat). Der Kater liebt es und zeigt keine Anzeichen von Unverträglichkeit. Das NaFu ist weiterhin fleischhaltig, wobei ich versuche, hauptsächlich Bioplan zu füttern, was zumindest durch eine DE-007-Öko-Kontrollstelle geprüft wird. Die Katze ist äußerst wählerisch bei ihrem Futter, nimmt das Bioplan aber sehr gut an. Zu meiner Verwunderung fand sie das vegane Futter Feligourmet Miau auch sehr lecker. Ich werde es also zwischendurch immer wieder füttern. Vor einigen Tagen bin ich in die Facebook-Gruppe „vegane Katzen“ eingetreten, um mich dort mit anderen veganen Katzenhaltern auszutauschen. Ich werde euch natürlich berichten, wenn sich diesbezüglich wieder etwas tut und ich würde mich sehr darüber freuen, wenn ihr mir eure Meinungen und Erfahrung zu diesem Thema schreibt! Außerdem werde ich versuchen, meine Tierärzte dazu zu befragen – Gesundheitschecks der Katzen lasse ich sowieso jährlich durchführen.

Zum Schluss möchte ich euch noch berichten, dass ich mich bzgl. meiner Patenschaft bei Hof Butenland (ein sehr schönes Beispiel für notwendige Tierhaltung) für das ehemalige Schulpferd Loriot entschieden habe. Und ganz zum Schluss möchte ich etwas mit euch teilen, was mich heute sehr berührt hat und was für mich mal wieder ein Zeichen dafür ist, dass meine (stille) Art, mit Tierschutz umzugehen gar nicht so verkehrt ist. Nachdem ich unserer Geschäftsführung gestern vom Tierheimbesuch erzählt habe, wurde mir heute einen Fresskorb mitgebracht (siehe Foto), den ich am Samstag dort abgeben soll. Es ist nichts Großes, aber… doch, für mich ist es was Großes, auch wenn es nicht vegan ist. Nur weil etwas nicht perfekt ist, muss es nicht verkehrt sein. (Das Familienunternehmen unterstützt übrigens auch den Tierschutzverein Animal Shelter e. V., die Stiftung Vier Pfoten und hat eine Patenschaft bei Gut Aiderbichl.)

2 Gedanken zu “Haustierhaltung und vegane Tiernahrung

  1. Klasse Janine!!! Weiter so… unsere Hunde kommen auch ganz gut mit Yarrah, Amidog und Co aus… Kannst du noch Tipps zur Zubereitung deiner Hundemahlzeiten geben?

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