Vegan auf Afrikanisch – geht das?

…natürlich, alles geht vegan, man braucht allerdings auch ein Konzept. Wir waren heute in Essen eine Freundin besuchen und natürlich haben wir wieder die Chance genutzt, ein uns unbekanntes veganes Restaurant zu suchen. Wir waren im Delicious. Von außen sieht es durch seinen klaren, in grün gehaltenen Schriftzug wie ein typischer Bio-Imbiss aus. Wenn man rein kommt, wird der Eindruck leicht verwirrt. Die beiden Tische mit ihren ungleichen Stühlen würden eher in ein altes Restaurant passen, die Theke in ein typisches Bistro-Café – aber dazu passt wiederum die Bob Marley-Musik nicht. Sobald Papa Lufu mit seiner Turban-Dreadlock-Frisur zum Vorschein kommt, wird’s richtig kurios. Naja, erst mal setzen und die „Rastaman“-Flagge beäugeln. Papa Lufu begrüßt jeden überaus herzlich, nicht mit Handschlag, sondern Faust an Faust, jeden zweiten Satz beendet er mit „ja, man!“. Wir sind hier mitten in Essen-Holsterhausen, in einem veganen Bio-Imbiss und fühlen uns eher wie in einer Reggae-Bude. Auch bei den Speisekarten hat man versucht, diese beiden Besonderheiten stilistisch zu vereinen – versucht.

Wenn ich unterwegs bin, bin ich natürlich nicht nur in meiner Rolle als Veganerin unterwegs, sondern auch in meiner Rolle als Marketingmensch. Es geht mir also nie nur um’s Essen, sondern auch um’s Konzept – und hier sehe ich keins. Gehen wir zurück an den Anfang unserer Restaurant-Wahl. Ich habe mich bei meinen veganen Kontakten umgehört und drei Restaurants in Essen empfohlen bekommen, eins davon ist leider momentan wegen Urlaub geschlossen. Also habe ich mir die Webseiten der anderen beiden angeschaut. Das Delicious wirkt auf seiner Webseite so, wie wenn man vor dem Laden steht. Irgendwie typisch Bio, typisch „grün“, typisch vegan. Es wirkt sehr herzlich und nett. Im Text erst erfährt man, dass afrikanische Spezialitäten angeboten werden – neben Schupfnudeln, Pizza, Nudeln, Maultaschen und Bio-Eis. Tja, und wenn man dann drin ist, wird der ganze erste Eindruck verworfen – und genau das finde ich ziemlich schade. Wenn auf der Internetseite und in den Schaufenster schon ersichtlich wäre, welch wunderbar angenehme und exotische Welt sich dahinter verbirgt, könnte man noch mehr daraus machen. Außerdem müsste alles einheitlicher sein. Restaurant-Besucher wissen gerne, woran sie sind. Ehrlich gesagt wollte ich anfangs erst in das andere Restaurant, mir fiel dann später bloß (zum Glück) der Name nicht mehr ein, also sind wir ins Delicious…

Aber hey, genug davon, kommen wir zu den Speisen. Zur Vorspeise gab es super leckeres afrikanisches Brot, frisch aus dem Ofen, mit einem Papa-Lufu-Avocado-Dip. Genial! Das Brot hat leicht süßlich geschmeckt, ein wenig wie Crêpes, aber eben in Fladenbrot-Konsistenz. Als Hauptspeise hatte ich Vollkorn-Spaghetti mit Pesto Verde. Ich hatte mit Pesto Verde gerechnet, so wie ich es kenne und mich dabei total verschätzt. Serviert wurde ein großer Teller mit Nudeln in einer scharfen, äußerst lecker gewürzten Soße mit Gemüse-Stückchen.

 

Dazu gab es BioZisch-Guarana-Cola. Wenn die Portion nicht so groß gewesen wäre, hätte ich sicher noch das vegane Bio-Eis probiert. Wir werden aber sicher noch mal dort essen gehen. Wie wir erfahren haben, bietet Papa Lufu (der außer Koch auch Dipl. Agrarwirt ist, wie ich eben hier gelesen habe) jeden letzten Sonntag einen veganen Brunch an.